Der untere Teil des Seyengrabens ist stark erosionsgefährdet
Oder: Wenn ein "Bach" schon lange keiner mehr ist ...
<2021-11-15>
Der Seyengraben ist als "Ablaufrinne" für das Oberflächenwasser für das geplante Neubaugebiet "Loreleyblick" vorgesehen. Das ist verschiedener Hinsicht hochproblematisch!

Zur aktuellen Bodenbeschaffenheit:

Der mittlere und untere (soweit bewertet) Teil des Seyen­grabens ist in den amtlichen Karten als hoch bis sehr hoch erosions­gefährdetes Gebiet verzeichnet. Daraus kann man schließen, dass das Eintragen von erheblichen Wasser­mengen zu einer Auswaschung des Talbereichs führen wird, denn im Talgrund fließt seit Jahrzehnten kein ober­flächliches Wasser mehr. Die Topografie und Fauna dieses Bereichs würde sich durch die dann unver­meidlichen Auswa­schungen erheblich ändern.

Wenn bei Starkregen­ereig­nissen eine besonders großen Wassermenge in das Tal geleitet wird, beschleunigt sich der Vorgang noch ganz erheblich. Bei einem Überlauf des geplanten Regen­rück­halte­beckens oder einem Bruch seines Damms, ist mit einem besonders massiven Murengang (Schlamm­lawine) zu rechnen, der dann auch etliches Totholz und Felsen enthalten wird:

Zur Wasserführung im Talgrund:

In den amtlichen Karten ist im unteren Teil des Seyen­grabens zwar ein blauer Strich entlang des Talgrunds (entspricht in etwa der Ortsgrenze zwischen Urbar und Oberwesel) eingetragen, doch gilt dieser Bereich dort *nicht* als "Gewässer" 3. Ordnung (zur Überprüfung bitte unter dem Punkt "Gewässer" die Option "Gewässer 3. Ordnung" bei der eben genannten Internet-App ein-/ausschalten).

In diesem Talgrund fließt bereits seit etwa 40 Jahren weitgehend kein bzw. im unteren Bereich nur noch sehr wenig oberfläch­liches Wasser. Bei Begehungen zu verschiedenen Jahreszeiten während der vergangenen Monate war im unteren Teil des "Bachs" bestenfalls nur eine geringfügige Menge Wasser an der Oberfläche zu entdecken - und das auch nur stellenweise. An diversen Stellen der Talsohle ist gut erkennbar, dass im Talgrund seit recht langer Zeit kein Wasser mehr an der Oberfläche geflossen ist.

Im Folgenden wird dargelegt, welche erheb­lichen Verände­rungen bei einer Nutzung des Tals als "Abflussrinne" in der Natur zu erwarten sind und welche enorme Gefahr für den Bahnbetrieb im Rheintal droht:

Aber der Reihe nach:

Auswirkungen einer Entwässerung durch den unteren Seyengraben:

Es hat sich im gesamten unteren Bereich des Tals viel weicher erodierter Erdboden abgelagert. Auch eine Menge Totholz hat sich dort ange­sammelt. Von kleinen Zweigen über Äste bis hin zu dicken Baum­stämmen. So wie man es bei einem seit Jahrzehnten unbe­rührten Talhang und -grund erwarten würde.

Den Talgrund entlang zu laufen ist nicht ganz einfach. Man sollte schon einiger­maßen "gelände­gängig" und passend ausge­rüstet sein.

Darum wurde eine Fotostrecke zum gesamten unteren Talbereich erstellt, die einen praktisch vollständigen und teils sehr detaillierten Blick auf seinen Zustand via Internet ermöglicht - auch wenn beispielsweise die Steilheit des Geländes anhand von Fotos nur schwierig erfasst werden kann.

Und wenn es regnet:

Drei verschiedene Situationen sind hier zu betrachten:

  1. Das in einem Neubaugebiet "Loreleyblick" auf den versiegelten Flächen (Straßen, Wege, Hausdächer, usw.) Niederschlagswasser wird bei "normalen" Regenmengen in das Regenrückhaltebecken geleitet, fließt dort schnurstracks hindurch und dann weiter in den unteren Seyengraben.
    Technische Details dazu werden voraussichtlich mit den Planungsunterlagen im Zuge der Behörden- und Öffentlichkeitsbeteiligung veröffentlicht.

  2. Bei stärkerem Regen fließt das Wasser in das Regenrückhaltebecken, aber von dort nur teilweise sofort weiter in Richtung Seyengraben, weil die Ausflussmenge gedrosselt werden soll. Ist der Regen zu Ende, läuft das im Rückhaltebecken zwischenzeitlich aufgestaute Wasser in den Seyengraben aus.

  3. Bei Starkregen läuft das Wasser in das Rückhaltebecken, doch das Fassungsvermögen des Beckens reicht bei besonders starkem Regen nicht aus und das weitere Wasser läuft dann über den aufgeschütteten Beckenrand und über das Wiesengelände hinweg in den Seyengraben runter. Wenn es ganz schlimm kommt, könnte der Damm des Regenrückhaltebeckens dann sogar brechen und mehr oder weniger das gesamte zwischengespeicherte Wasser in den Seyengraben stürzen.

Zu erwartende Probleme:

In der eben beschriebenen Situation 1 wird der zwar gedrosselte, doch immer noch recht erhebliche Ausfluss aus dem Rückhaltebecken im stark erosionsgefährdeten unteren Seyengraben unweigerlich zu Auswaschungen zunächst im Talgrund und dann folgend auch an den Flanken des Tals führen. Erdboden, Gestein und kleineres Totholz werden den Berg hinunter geschwemmt und werden unten angekommen nach und nach den Durchgang unter den Bahngleisen mit Ablagerungen verengen.

==>Zu bedenken ist hierbei auch noch, dass mehr als 2/3 des Niederschlagswassers aus dem nordwestlichen Teil des Neubaugebietes (rötlich unterlegt) derzeit NICHT in Richtung Seyengraben sickert, sondern auf der entgegengesetzten Seite einer Wasserscheide (dunkelgelbe Linie) liegt und damit die Niederschlagsmenge in Richtung Seyengraben vergrößert.

Aus Sicht des Naturschutzes erscheint ein solcher Eingriff in ein stark erosionsgefährdetes Gebiet als bedenklich.

=> Derzeit noch offene Frage: Was sagen die Planungsunterlagen zu dieser Problematik und ihrer Lösung?


Die Situation 2 unterscheidet sich von Situation 1 besonders dadurch, dass die maximale Ausflussmenge des Wassers aus dem Rückhaltebecken in über den Talgrund spült wird. Und das auch noch längere Zeit. Das Erodieren geht also besonders schnell.


In Situation 3 kann es besonders kritisch werden. Denn wenn der talseitige Damm des Rückhaltebeckens überflutet wird, stürzt sich ein größerer ungedrosselter Schwall Wasser in das Tal und die Menge von mitgerissenem Erdreich, Steinen bis Felsen und Totholz kann beträchtliche Ausmaße annehmen, denn der Zulauf zum Rückhaltebecken hat einen erheblichen Durchmesser.

Ein sich so ergebender "Murengang" kann große Zerstörungen anrichten und in kürzester Zeit den Durchgang unter den Bahnschienen verstopfen. Und dann werden gleich die Schienen der vielbefahrenen Eisenbahnstrecke mit dem Schlammassel verschüttet (siehe Bildchen weiter oben). Auch die etwas unterhalb liegende Bundesstraße 9 kann noch verschüttet werden. Die nahe dem Tal installierten Fangzäune oberhalb der Bahnstrecke sind hier wirkungslos.

Hält der Damm des Rückhaltebeckens der Überspülung nicht Stand, kommt zum Überlauf noch zusätzlich der Großteil des im Becken aufgestauten Wassers fast schlagartig den Berg runter.

Glaubt man den Klimaänderungs-Warnungen, ist zukünftig deutlich häufiger mit Starkregen-Ereignissen zu rechnen, als bisher. Die Situation 3 würde dadurch noch häufiger eintreten! Auf das Wunder, dass weder Autos noch Züge und die Menschen darin zu Schaden kommen, sollte man besser nicht setzen.

Lösungsmöglichkeiten:

Da mit erheblichen Eingriffen an der Natur des unteren Seyengrabens aufgrund der zu erwartenden Oberflächenwassermengen im unteren Seyengraben zu rechnen ist, bleibt nur die "Umgehung" des bisher geplanten Verlaufs des Wassers durch den unteren Seyengraben. Das könnte mittels einer Verrohrung des Abflusses des Rückhaltebeckens geschehen, die etwa bis zum Rhein herunter reicht.

Gegen einen Überlauf des Regenrückhaltebeckens dürfte nur eine wirklich ausreichende Dimensionierung sowie eine ausreichende Befestigung einer eingeplanten Überlaufstelle im talseitigen Damm helfen.

Beide Maßnahmen verursachen jedoch erhebliche Kosten, sodass nur eine grundlegene Neuplanung mit Umgehung des Seyengraben-Bereichs einen gangbaren Ausweg darstellen dürfte. Eine mindestens gleichwertige Alternative zu einem Neubaugebiet "Loreleyblick" ist ja im Bereich "An der Schafshöhle" im Flächennutzungsplan eingetragen.


Erläuterungen zum Zustand des unteren Seyengrabens:

Mittels der bereitgestellten [ Hinweis: Dieser Abschnitt kann derzeit (noch) nicht im vereinfachten Modus dargestellt oder gedruckt werden ] kann man sich einen Überblick bis hin zu bereits vielen Details verschaffen. Nachfolgend werden zur Ergänzung noch einige Detailfotos vorgestellt, von denen man durch Anklicken ihr hochaufgelöstes Original ansehen/herunterladen kann.

Am Wanderweg durch den Seyengraben sind keinerlei Spuren von oberflächlich fließendem Wasser zu finden.


Gleich unterhalb des Wanderwegs bekommt man bereits einen ersten Eindruck davon, wie der Talgrund auch weiter unten meist aussieht. Auf der weichen Erde liegt eine Menge Totholz in allen Größen:


Ein noch genauerer Blick in einen Teilbereich des vorangegangenen Fotos:


An den Seiten des Tals kann man an steileren Stellen den nackten Erdboden und Erosionserscheinungen sehen. Wenn der Talboden hier nach und nach weggespült wird, kommen die Hänge des Tals rasch hinterher:


Man muss das Tal schon weit hinunter gehen, um nach einer kleinen Quelle endlich 'mal Spuren von oberflächlich fließendem Wasser zu entdecken:


Durch diese "Hohle Gasse" - der Tunnel unter den Bahnschienen - wird das Wasser geleitet. Dieses "Loch" vor den Bahnschienen dürfte bei einem Murengang in kürzester Zeit verstopft werden - und dann gelangen Schlamm, Geröll und Baumstämme etc. gleich auf die Schienen:

Themen hierzuAssciated topics:

Regenrückhaltebecken Oberflächenwasser-Entsorgung Umwelt-Beeinträchtigungen

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